Schrobenhausen (SZ) Von der ursprünglichen Intention ein bisserl zu singen, hat sich der Chor längst verabschiedet. Das gestiegene Niveau und der gehobene Anspruch ließen den ursprünglichen Namen „Singaweng“ nicht mehr passend erscheinen.

Was liegt in Schrobenhausen näher, als den berühmtesten Sohn der Stadt als Namenspatron zu wählen. „Lenbach-Chor“ heißt die Truppe unter der Leitung von Markus Bartholomé seit der Vereinsgründung Ende des vergangenen Jahres.

„Außer dem Namen hat sich für uns als Chor nichts verändert“, betont Chorleiter Markus Bartholomé. Das Wort von der „rein formalen Sache“ oder „sich nach außen eine neue Form geben“ fällt.

Beim Besuch der Chorprobe wird klar: Das erste der alljährlich wiederkehrenden großen Konzertprojekte des Lenbach-Chors wird ein ganz besonderes werden: Mit dem Stabat Mater von Karl Jenkins hat sich die Truppe ein orchestrales Werk vorgenommen. Sopran und Tenor, links, rechts Alt und Bass: Schon beim Einsingen hat jeder der 34 Sängerinnen und Sänger des Lenbach-Chors seinen angestammten Platz. Die komplette Mannschaft ist fokussiert, hat ein gemeinsames Ziel. Nämlich das Stabat Mater des Walisers Karl Jenkins, ein zeitgenössisches Stück aus dem Jahr 2008, basierend auf einem mittelalterlichen Gebet. Es geht um eine Betrachtung über Maria, die am Kreuz stehend Jesus betrauert. Von Rossini über Haydn bis Verdi: Die Größen der Musikwelt haben sich schon dem Thema gewidmet.

„Jenkins ist in England rasend populär“, erklärt Bartholomé. Schon ist der Musikpädagoge mitten in seinem Element, schwärmt von dem Stück mit seiner Neigung zum Bombastischen, fernöstlichen Klangfarben und seiner Wirkung in der fulminanten Akustik der Schrobenhausener Stadtpfarrkirche.

Inspiriert von Gedichten aus dem arabischen Raum und dem Gilgameschepos ist auch eine Portion musikalische Exotik bei Jenkins Opus mit im Spiel. Mit der Altistin Leila Bouhajeb konnte eine Solistin für das Projekt gewonnen werden, die nicht nur eine klassische Gesangsausbildung mitbringt, sondern aufgrund ihrer algerischen Wurzeln über einen besonderen Bezug zu arabischen Klangwelten verfügt.

Sogar ein eigenes Orchester wurde für das Projekt aus der Taufe gehoben. Wie kann es anders heißen als „Lenbach Orchester“. „Ein gemischter Haufen mit den bekannten Schrobenhausener Gesichtern“, umreißt Bartholomé die Besetzung, darunter die Musiker Rita Brunner, Helmut Lutz oder Mina Voet. Seit Anfang des Jahres probt der Lenbach-Chor jeden Donnerstag plus einen extra Probentag.

Der Thiernoiser Chor Choral Point d’orgue unter der Leitung von Paulette Tempère reist zur Aufführung extra aus Schrobenhausens französischer Partnerstadt an, um zusätzlich zum Lenbach-Chor für chorale Fulminanz zu sorgen. Jenkins Stabat Mater ist bereits das vierte gemeinsame Projekt der beiden Chöre über Ländergrenzen hinweg.

Von Tanja Staimer
Schrobenhausener Zeitung Nr. 115, Dienstag, 20. Mai 2014