Schrobenhausen (SZ) „Gigantisch“ und „fulminant“ fanden es die einen, „schwer beeindruckend“ oder „ein Genuss für die Ohren“ andere. Die Zuhörer überschlugen sich förmlich mit ihrem Lob und stehenden Ovationen.

Die Aufführung des Lenbach-Chors unterstützt vom Chorale Point d‘Orgue aus Thiers samt Lenbach-Orchester und der Solistin Leila Bouhajeb war durchwegs gelungen. Gegeben wurde Karl Jenkins’ moderne und in ihrer Dramatik einzigartige Version des „Stabat Mater“ aus dem Jahr 2008 in der Stadtpfarrkirche. Die war leider nur halb voll.

Wortfetzen in französischer Sprache dringen in den Minuten, ehe die ersten Takte erklingen, ans Ohr und zeugen von städtepartnerschaftlichem Wirken. Tags zuvor waren gut 20 Sängerinnen und Sänger des Chorale Point d’Orgue unter der Leitung von Paulette Tempere von Thiers nach Schrobenhausen gereist, um mit ihren Schrobenhausener Kollegen um Markus Bartholomé gemeinsam Karl Jenkins’ beeindruckendes Werk aufzuführen.

Markus Barholomé versprach nicht zu viel, als er noch vor ein paar Wochen ein „bombastisches“ Klangerlebnis prophezeite. Er musste es wissen, denn im Herbst vergangenen Jahres war das Thiernoiser-Schrobenhausener Gemeinschaftsprojekt schon einmal in der französischen Partnerstadt aufgeführt worden.

Wenn auch nur in einer reduzierten Fassung orchestriert, nahmen Sänger wie Instrumentalisten akustisch das gesamte Kirchenschiff ein – bis in die hintersten Bankreihen. In jeder Beziehung, vom ersten Ton an. Der kirchliche Rahmen mit seiner sagenhaft fulminanten Akustik bildete einen würdigen Rahmen.

„Christi Mutter stand mit Schmerzen“ übersetzte Stadtpfarrer Josef Beyrer bei seiner Begrüßung die erste Liedzeile der berühmten Sequenz des Christentums aus dem Mittelalter. Bei Jenkins’ „Stabat Mater“ war von historischer Verstaubtheit so rein gar nichts zu spüren – irgendwo zwischen Pop und Klassik, Carmina-Burana-Effekten und Adiemus verortet.

Hier brachten Helmut Lutz und seine Percussion-Truppe mit einem ganzen Arsenal an Trommeln, Toms und Becken packende Rhythmik ins konzertante Geschehen ein. Da zog das Lenbach-Orchester mit seinen bekannten Gesichtern aus der Region, erweitert um Musiker vom Georgischen Kammerorchester, alle Register. Im Dreivierteltakt des „Virgo Virginum“ vermittelten die Pizzicati der Streicher tänzerische Leichtigkeit. Im „Sancta Mater“ ließ das Staccato des Englisch-Horns im Kopfkino auf die innere Leinwand projiziert martialische Bilder erscheinen.

Zwischen Gänsehautfeeling und tiefer Rührung schwankend, verzauberte Altistin Leila Bouhajeb das Publikum mit ihrer samtweichen Stimme – egal ob in Melismen des arabischen Kunstliedes im „Incantation“ zu Mina Voets wunderbarem Flötenspiel, oder dem vertonten Gedicht „Lament“ von Jenkins Ehefrau Carol Barrat.

Mitreißend, geradezu aufwühlend die Chöre. Mal in stimmgewaltigem Fortissimo, mal unbeschreiblich sanft als Klangteppich ausgerollt, auf dem Bouhajebs Stimme förmlich schwebte, etwa bei im „Now my life ist only weeping“.

Markus Bartholomé gebührt höchstes Lob für Vorbereitung, Koordination der Proben über Ländergrenzen hinweg – und letztendlich für einen grandiosen Konzertabend.

Eine zu Herzen gehende und bewegende Stunde, ein großes Konzert, das es verdient gehabt hätte, ausverkauft zu sein. Umso mehr bedachte das restlos begeisterte Publikum eine grandiose Gesamtleistung mit schier nicht enden wollendem Applaus und schließlich auch mit Beifall im Stehen.

Von Tanja Staimer
Schrobenhausener Zeitung Nr. 125, Montag 2. Juni 2014